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ErstellerThema   Union 92: Viele Junge helfen
HWerft
Erstellt am 07.03.2020 - 10:54


„Den jungen Leuten freie Hand lassen“


Generationswechsel bei Union 92 Halle: Mit der Neugründung als eigenständigem Verein legt Ernst-August Stüssel (68)den Vorsitz in die Hände von Christian Fröhlich (33). Eine Vielzahl von Mitstreitern verteilt die Aufgaben auf zahlreiche Schultern

Halle. Generationswechsel an der Spitze - in vielen Sportvereinen ein heikles Thema. Denn die Bereitschaft, im Ehrenamt Verantwortung zu übernehmen, schwindet. Die Handballer von Union 92 Halle wollen jetzt zeigen, dass es anders geht. Im Gespräch mit Ernst-August Stüssel und Christian Fröhlich entschlüsselt das WESTFALEN-BLATT, wie der Übergang gelingen kann.

Mit der Umwandlung der bisherigen Handballspielgemeinschaft in einen eigenständigen Verein (das WB berichtete am 15. Februar) legt Vorsitzender Ernst-August Stüssel (68) sein Amt nach 16 Jahren Vorstandstätigkeit in die Hände des 35 Jahre jüngeren Christian Fröhlich. Der ist mit 33 Jahren der Älteste im neuen vierköpfigen Geschäftsführenden Vorstand (siehe Infobox). Eine gute Mischung

Was aber keineswegs bedeutet, dass Union einem Jugendwahn verfällt und Erfahrung nicht mehr zu schätzen weiß: „Wir haben eine gute Mischung gefunden. Zunächst mal war ich froh, dass ehemalige Spieler wie Lothar Burkert, Detlef Kahmann und Harald Werft hinter den Kulissen wieder aktiv geworden sind“, betont Ernst-August Stüssel. Das habe seit 2017 zu einer Sogwirkung beigetragen: „Inzwischen ist die Union so breit aufgestellt wie nie zuvor, was die Verteilung der vielen Aufgaben angeht.“ (siehe Infobox)

Damit das funktioniert, müssen die Älteren bereit sein, ihren Horizont zu erweitern. Stüssel, der 2004 in den erweiterten Vorstand gewählt wurde und 2007 den HSG-Vorsitz übernahm, hat selbst diese Erfahrung gemacht: „Ich bin teilweise 40 Jahre älter als einige Mitstreiter. Wenn sie ihre Ideen umsetzen, muss man ihnen freie Hand lassen.“ Motivation

Stüssel selbst hat vor 20 Jahren über ein neues Projekt den Weg in die Vereinsarbeit gefunden: „Carlo Tarner hat mich 2000 angesprochen, als es um die Planung des neuen Grundschulprojekts der HSG ging. Mit maßgeblicher Unterstützung von Jochen Ehrke haben wir es dann umgesetzt.“ Bis heute begeistern die jeweils dreiwöchigen Angebote an drei Grundschulen mit großem Abschlussspielfest viele Kinder für den Sport. Fast 60 Neuanmeldungen haben sie beispielsweise 2019 der Jugendabteilung gebracht. Lohn für einen immensen personellen Aufwand, gerade an den Werktagen.

Dass dabei so viele mithelfen, hat auch Christian Fröhlich motiviert, sich einzubringen. Früher in seiner lippischen Heimat aktiver Handballer, ist er nach dem Umzug nach Halle und einer Pause seit der Saison 2017/18 für Union am Ball und hat sich auch als Jugendtrainer engagiert. „Anfang 2018 habe ich dann das erste Mal an einer Vorstandssitzung teilgenommen und auch mal eine Meinung beigesteuert.“ Dass die gehört wurde und in der Phase um das 25-jährige Jubiläum der HSG eine Art Aufbruchstimmung entstand, war für Fröhlich Anreiz, im Jugendbereich organisatorisch mit anzupacken und sich um Trainersuche zu kümmern. Vereins-Philosophie

Auch Fröhlich freut sich über Erfolge, misst die aber nicht nur an Spielklasse und Platzierung: „Ganz viele Kinder und Jugendliche kommen oder bleiben nicht wegen der Spielergebnisse, sondern weil die Stimmung im Verein oder in der jeweiligen Mannschaft gut ist. Der sportliche Erfolg ist dann das Resultat dieser Atmosphäre, die man gemeinsam schafft.“ Das unterstreichen derzeit vor allem die weiblichen Mannschaften der A- bis C-Jugend: Die Ältesten sind Verbandsliga-Zweite, die B- und C-Mädchen jeweils Landesliga-Erste. Alle Nachwuchs-Teams mit geeigneten Trainern auszustatten – in diesen Plan haben Christian Fröhlich und seine Mitstreiter bewusst viel Energie investiert.

Aber er es braucht mehr, um alle Generationen an Union zu binden: „Unser Vereinskalender für dieses Jahr ist voll“, fasst Fröhlich die diversen Aktivitäten zusammen: Im Januar richtete Union das in der gesamten Region beliebte Jugendturnier zur Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte aus, bis Mai stehen noch vier Heimspiel-Sonntage bevor, an denen Union von 10 bis 20 Uhr bis zu fünf Partien in Folge anbietet und mit Bewirtung hinter der Tribüne die Halle Masch zum Zentrum des Vereinslebens macht. Im Sommer gibt es dann wieder die beliebte Fahrt zum großen Turnier nach Ibbenbüren, an der inzwischen nicht nur Jugendteams, sondern alle Altersgruppen teilnehmen. Auch auf dem Stadtfest Haller Wilhelm ist der Verein regelmäßig vertreten. Außendarstellung

Ernst-August Stüssel freut sich jedenfalls, dass von seiner Arbeit mehr bleibt als neun erfolgreiche Jahre der ersten Damenmannschaft in Deutschlands dritthöchster Spielklasse. Wegen fehlender personeller Perspektive musste das Team 2016 auf einen Oberliga-Platz verzichten. Für Stüssel eine schmerzliche Entscheidung, die er aber überwunden hat. Auch weil Union jetzt erfolgreich andere Prioritäten setzt. Der 68-Jährige freut sich oft, wenn er durch Halle spaziert: „Toll, wie viele junge Leute in unserer Vereinskleidung unterwegs sind.“ Alexander Vogt hat die entsprechende Kollektion auf den Weg gebracht – einer der Jungen, die jetzt mit anpacken.

Ein großes Team teilt sich die Aufgaben


Den geschäftsführenden Vorstand des künftig selbstständigen Vereins Union 92 Halle bilden neben dem Vorsitzenden Christian Fröhlich dessen Stellvertreterin Carinna Heidebruch, Finanzvorstand Timo Kleinemenke und Geschäftsführerin Saskia Hirschmann.

Im Tagesgeschäft greifen zudem mit ins Rad der Vereinsarbeit: Dirk Schneider und Marcel Quermann (Spielbetrieb Männer/beide auch Jugendtrainer), Jörg Fimmel (Frauenwart/Koordinator weibl. A-, B- und C-Jugend), Alexander Vogt (Außendarstellung/ „Union-Shop“ mit einheitlicher Vereinskleidung), Stefan Scheer und Detlef Kahmann (Sponsoring/Vereinsheft „Anwurf“), Lothar Burkert (Organisation/Spielverlegungen), Lilith Beaujean und Carina Heidebruch (Org. Heimspieltage/Veranstaltungen), Karsten Große-Butenuth (Beauftragter Spielbericht online), Jochen Ehrke (Schiedsrichterwart/Ansprechpartner Jugend), Harald Werft (Homepage/Mitgliederverwaltung), Rainer Horstmannshoff (Passwart/Org. Vereinsfahrt). Horstmannshoff übernahm sein Amt von Egbert Sausel, der seit Gründung der Union mit Akribie und profunden Kenntnissen von Satzungen und Regelwerk wertvolle Arbeit geleistet hat.

Quelle: Westfalen-Blatt von Gunnar Feicht