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ErstellerThema   Karl-Heinz Tonn: Halles Handball-Welt trauert
HWerft
Erstellt am 20.04.2021 - 16:57

Der Handballkreis Gütersloh trauert um Karl-Heinz Tonn





Karl-Heinz Tonn ist im Alter von 71 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben.
Ohne ihn wäre der weibliche Bereich im Handballkreis Güterlohs nicht da, wo er heute steht. Nicht nur im Handballkreis hat er den Damen- und Mädchen-handball nach vorne gebracht, auch in seinem Stammverein, dem TV Künse-beck und nachher bei der HSG Union 92 Halle.
Die Nachwuchsförderung der weibl. Jugend lag ihm immer am Herzen. Einmal im Monat pro Jahrgang nahm
er am Kreisauswahltraining teil. Zusätzlich zu den Kreisvergleichs-spielen organisierte er auch noch viele
Turnier-Teilnahmen, wie z. B. am jährlichen Neujahrsturnier in Unna. Freundschaftsspiele gegen andere Handballkreise, sowie eine jährliche Abschlussfahrt der Mädchen ins Ausland gehörten damals mit zu seinem Tätigkeitsfeld.
Karl-Heinz Tonn war ab 1974 bis 2005 im Handballkreis Gütersloh als Frauen- und Mädchenwart aktiv. Bereits von 1970 an war er als Schiedsrichter im Einsatz.
Wegen seiner großen Verdienste um den Handballsport wurde er 1995 mit der silbernen Ehrennadel des Westdeutschen Handballverbandes ausgezeichnet. 2007 bekam er vom Handballverband Westfalen die Ehrennadel in Gold verliehen.
Wir verlieren mit Karl-Heinz Tonn einen Menschen, der sich immer für die Weiterentwicklung und Förderung des Damen- und Mädchenhandballs eingesetzt hat. Wir denken gerne an die gemeinsamen Vorstandssitzungen und Handball-tagungen mit ihm. Viele werden sich noch erinnern, wenn nach jeder Diskussion immer sein „Ich hab da mal eine Frage“ von ihm kam.
Wir werden ihn in bleibender Erinnerung behalten.

Im Namen des Vorstands des Handballkreis Gütersloh e.V.
Marcel Machill 1. Vorsitzender
Heinz-Hermann Jerrentrup stellv. Vorsitzender

Quelle: Westfalenhandball 15/2021
HWerft
Erstellt am 15.04.2021 - 22:39

Der Verein war seine Welt


Handball:Karl-Heinz Tonn ist im Alter von 71 Jahren verstorben. Er hat großen Anteil daran, dass sich heimische Mädchen- und Frauenmannschaften etabliert haben. Zudem prägte er die sportlich erfolgreichen Zeiten des TV Künsebeck und der HSG Union 92 Halle.


Eine der vielen schönen Erinnerungen: Karl-Heinz Tonn mit dem Foto der Oberliga-Meistermannschaft 1987.Foto: Gunnar Feicht

Stephan Arend

Halle Vor einigen Tagen hat Ernst-August Stüssel noch mit Karl-Heinz Tonn telefoniert. Zum verabredeten Treffen wird es nicht mehr kommen. Tonn, über Jahrzehnte Motor des heimischen Mädchen- und Frauenhandballs, ist im Alter von 71 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

„Ohne Karl hätte es bei uns Handball auf diesem hohen Niveau nicht gegeben“, sagt Stüssel, der Tonn 2007 bei der HSG Union Halle als Sportlichen Leiter abgelöst hat. Unter dessen Regie traten die Haller bzw. zuvor Künsebecker Frauen nie in einer Spielklasse unterhalb der Oberliga an. Ihr „Manager“ verpflichtete Trainer und Neuzugänge, organisierte die Vorbereitung sowie das Trainingslager. „Das war seine Welt. Er hat alles für den Handball gegeben“, erinnert sich Stüssel an einen „ehrlichen Kerl“, der für seine Überzeugung keiner Diskussion aus dem Weg ging: beharrlich und gradlinig, bisweilen ganz schön stur - kein Wunder, dass man so auch manchmal aneckt. „Es herrschte sicherlich nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Aber die positiven Erlebnisse, die Erinnerung an drei Regionalliga-Aufstiege, der Kontakt zu Menschen, die man auch nach 25 Jahren gerne wiedertrifft - das überwiegt“, zog Tonn einst nach seinem Rücktritt Bilanz.

Bei den Spielen seiner Haller Frauen zitterte er fortan auf der Tribüne mit und organisierte zuletzt 2017 (30 Jahre nach dem Regionalliga-Aufstieg) ein Wiedersehen mit den Spielerinnen, die zwischen 1986 und 1992 für den TV Künsebeck am Ball waren - natürlich bei Jäckel im traditionellen Vereinslokal. Für die vielen Geschichten von einst lieferte Karl-Heinz Tonn einige Steilvorlagen, schließlich hatte er die Zeitungsartikel von einst und viele alte Fotos mitgebracht. Ernst-August Stüssel weiß vom unerschöpflichen Archiv des Verstorbenen mit Vereinszeitschriften aus den 70er Jahren. Er will versuchen, diesen Schatz und somit auch die Erinnerungen an Karl-Heinz Tonn am Leben zu halten - schließlich geht man niemals so ganz.

Lange ist es her, dass die Leidenschaft für den Handballsport Karl-Heinz Tonn packte. Sein Geburtshaus, in dem er bis zuletzt lebte, liegt an der Sportplatzstraße. Und diese Konstellation sollte sein ganzes Leben prägen: „Vom Balkon aus konnte man auf den alten Künsebecker Sportplatz schauen - dort, wo jetzt hinter dem Landhotel Jäckel die Tennisanlage ist. Schon als Kind war der Platz für mich mein zweites Zuhause.“ Dort spielten die Künsebecker Großfeld-Handballer zeitweise in der höchsten westfälischen Leistungsklasse, ein Magnet für die Jungs aus dem Dorf. Dass er selbst nicht mit dem größten Talent ausgestattet war, das nahm Karl-Heinz Tonn mit Humor: „Ich kann mich nur an ein einziges richtiges Spiel von mir erinnern.“

Trotzdem wurde Handball zu seinem großen Hobby, und der Verein seit Ende der 60er Jahre geradezu sein Leben, wie er es einmal selbst ausdrückte. Er wurde Schiedsrichter, und als Funktionär im Handballkreis sowie als Macher in seinem Verein hatte Tonn großen Anteil am Boom des Frauen- und Mädchenhandballs im Altkreis sowie an den Erfolgen des TV Künsebeck und der HSG Union Halle (nach der Fusion). Während seiner Ära wuchs die Zahl der weiblichen Mannschaften um ein Vielfaches: „Als ich anfing, spielten die Frauen meistens draußen auf Kleinfeld, in der Halle lief noch nicht viel.“

Dass Karl-Heinz Tonn schon in jungen Jahren selbst mit angepackt hat, das deckt sich mit seinem Lebensmotto: „Wer mir etwas Positives entgegenbringt, dem gebe ich gerne etwas zurück.“ Das kann auch seine langjährige Nachbarin Angelika Farth-mann nur unterstreichen: „Wir kannten uns seit 62 Jahren. Selbst wenn er eigentlich Hilfe brauchte, hat er sich immer auch um die Belange der anderen gekümmert. Er hat außerdem immer versucht, die Menschen zusammenzubringen. Wir haben in der Siedlung viele Feste gefeiert, die er organisiert hat.“

So sehr Karl-Heinz Tonn seinem Verein die Treue gehalten hat, so verbunden war er auch mit dem WESTFALEN-BLATT. 42 Jahre hat er im Verlag bis zum Ende seines Berufslebens 2009 in der Vertriebsabteilung gearbeitet. Danach hat er auch den Verfasser dieser Zeilen regelmäßig in der Redaktion besucht, sich über den Altkreissport und seine einstigen Kollegen informiert: „Mach es gut Karl.“

Quelle: Westfalen-Blatt vom 15.04.2021
HWerft
Erstellt am 15.04.2021 - 22:34

Halles Handball-Welt trauert: Gradlinig und stur lebte er für seinen Verein


Karl-Heinz Tonn ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Ohne das Künsebecker Ur-Gestein wäre der Frauenhandball in Künsebeck und Halle nicht zu dem geworden, was er war. Rückblick auf ein bewegtes Leben.
Heiko Kaiser 15.04.2021


33 Jahre lang war Karl-Hein Tonn für den Künsebecker und Haller Frauenhandball verantwortlich. (© Rolf Uhlemeier)

Halle-Künsebeck. Karl-Heinz Tonn war kein einfacher Mensch. Einer, der sich vielmehr mit Ecken und Kanten für seine große Liebe eingesetzt hat. Für seinen Verein. Den TV Künsebeck. „Der bedeutet eigentlich alles für mich. Er ist mein Leben, meine Philosophie", hat Karl-Heinz Tonn einmal gesagt. Er hat es genauso gemeint und auch gelebt.

Sein Haus steht an der Sportplatzstraße in Künsebeck. Als Kind hatte er von dort freien Blick auf den Heimspielort seiner „Eichen", wie die Künsebecker Handballer genannt wurden. Das prägt. Das lässt Dinge wichtig werden.

„So jemand wie Karl, der sein Leben ausschließlich dem Verein und dem Handball widmet, den gibt es heute nicht mehr", sagt Birgit Pape, ehemalige Künsebecker und Haller Spielerin.

"Karl war schon speziell"


Dieser ausschließliche Blick auf das eine große Thema im Leben hat Karl-Heinz Tonn geprägt. Beharrlich und gradlinig nannten es die einen, kauzig und stur die anderen. „Ich bedaure deinen Rücktritt, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren." Dieser Satz aus dem Brief des Vorsitzenden des Handballkreises, Günter Sirges, anlässlich des Ausscheidens Karl-Heinz Tonns 2005, sagt viel.

„Karl war schon speziell. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, musste es genau so gemacht werden", sagt Birgit Pape. „Er erwartete auch von anderen, dass sie sich so für den Verein einsetzen, wie er es tat."

Am Ende siegte sein Herz


Seinen Platz als Frauenwart der HSG hat er 2007 nicht ganz freiwillig geräumt. „Das hat mich sehr getroffen", gab er anschließend offen zu. Es war seine Art des stillen Protestes, einige Zeit den Heimspielen fernzubleiben. Es ist ihm nicht leicht gefallen. Doch auch hier blieb Karl-Heinz Tonn stur. Zumindest für eine gewisse Zeit. Dann aber siegte sein Herz und er fand den Weg zurück zu seiner großen Liebe.

„Ohne Karl-Heinz Tonn hätte es in Halle Handball auf diesem hohen Niveau nicht gegeben", sagt sein Nachfolger Ernst-August Stüssel und: „Er hat wirklich sehr viel für den weiblichen Handball geleistet."

33 Jahre war Karl-Heinz Tonn für den Frauenhandball im TV Künsebeck und in der HSG Union 92 Halle zuständig. In dieser Zeit spielte die erste Mannschaft nie niedriger als in der Oberliga.

Der tägliche Spaziergang gehörte dazu


In seinen letzten Jahren ist Karl-Heinz Tonn zum Wanderer geworden. Zum Wanderer zwischen Künsebeck und Halle. Damit hat er sich fit gehalten. Fast täglich machte er sich zu Fuß auf den Weg, um sich am Bahnhof und später im Marktkauf mit „der Rentner-Gang", wie es Mitstreiter „Leo" Maier nennt, zum Kaffeetrinken zu treffen. „Am Anfang ist er hin- und zurückgegangen. Dann nur noch einen Weg", sagt „Leo" Maier. Man habe viel gelacht. Manchmal sei es auch laut geworden. „Karl-Heinz war eben auch sehr eigen. Geradeheraus. Einer, der klare Worte sprechen konnte."

Dass er schon seit zwei Jahren schwer krank war, wusste kaum jemand. Auch Maier nicht. „Wir sind sehr traurig. Jetzt fehlt einer", sagt er.

Jetzt fehlt einer. In der Tat. Ein Künsebecker Urgestein hat sich endgültig verabschiedet. Einer, der wie wohl kein anderer die Liebe zum Verein gelebt hat. Am Ende ist es dennoch einsam geworden um Karl-Heinz Tonn. Er ist nicht allein gestorben. Das ist tröstlich. Und auch, dass er in seinem Haus am Sportplatz bleiben durfte. So wie es sich für einen gehört, der sein ganzes Leben dem TV gewidmet hat.


2020 ist Karl-Heinz Tonn für herausragende Leistungen zum Ehrenmitglied des TV Künsebeck ernannt worden. (© Ekkehard Hufendiek)

Quelle: Haller-Kreisblatt vom 15.04.2021